Katzenhaltung

Warum Katzen sich selbst putzen und Hunde nicht

Katzen gelten als besonders saubere Tiere, da sie sich regelmäßig und ausgiebig selbst putzen. Hunde sind da scheinbar anders – sie lecken sich für gewöhnlich nur, wenn sie sich verletzt haben oder es sie juckt. Dabei dient die Katzenwäsche nicht alleine der Hygiene.
Bereits Katzenbabys putzen sich selbst; gelernt haben sie es von ihrer Mutter – Shutterstock / mmaja
Bereits Katzenbabys putzen sich selbst; gelernt haben sie es von ihrer Mutter – Shutterstock / mmaja

Die einfache Antwort auf die Frage, weshalb Katzen sich selbst putzen, ist: weil sie es können. Die Katzenzunge ist mit feinen Widerhaken übersät, wie ein Putzlappen mit integrierter Bürste. Zudem sind die Samtpfoten sehr gelenkig und biegsamer als Hunde, sodass sie leichter an fast jede gewünschte Körperstelle ankommen. Hinzu kommt, dass die Domestizierung der Stubentiger noch nicht so lange her ist wie bei Hunden, sodass die Nachfahren der Falbkatze sich eine gewisse Unabhängigkeit vom Menschen bewahrt haben.

Katzenbabys lernen das Putzen von ihrer Mutter

Wenn Katzenbabys geboren werden, können sie sich noch nicht selbst putzen. Die Katzenmutter schleckt sie sauber und regt die Verdauung der Kätzchen an, indem sie mit ihrer Zunge deren Bäuche massiert. Mit etwa vier Wochen fangen die Katzenbabys dann an, ihre Mama nachzuahmen und sich selbst zu putzen und beherrschen die Katzenwäsche mit rund sechs Wochen wie die Großen.

Dabei folgen die Fellnasen oft einem bestimmten Ablauf, waschen sich zum Beispiel erst das Gesicht mit ihren Pfoten, dann sind die Ohren an der Reihe. Danach werden die Vorderbeine geputzt, die Schultern und Flanken, der Intimbereich, die Hinterbeine und der Schwanz. Die Reihefolge dieses Rituals kann von Katze zu Katze verschieden sein und wird manchmal nur in Teilen ausgeführt, je nachdem, was für die Miez gerade Priorität hat.

Nicht nur Sauberkeit: Wenn Katzen sich selbst putzen

Katzen putzen sich nicht nur, um ihr Fell von Schmutz, losen Haaren und Parasiten zu befreien. Sie regen durch das Lecken die Talgdrüsen an, die sich an den Haarwurzeln befinden. Diese sondern Fett ab, das das Fell imprägniert, also wasserdicht macht. So sind die Tiere bei Regenwetter vor Durchnässung und Auskühlung geschützt – was jedoch nicht bedeuten muss, dass sie gern nass werden, auch wenn das Wasser an ihnen abperlt. Der Speichel auf dem Fell dient im Sommer zudem der Temperaturregulierung; wenn er verdunstet, entsteht Kälte und die Katze läuft weniger Gefahr, einen Hitzschlag zu bekommen.

Allerdings hilft diese Methode nur, wenn es nicht zu heiß ist und Ihre Samtpfote ausreichend zu trinken bekommt. Katzen können nicht schwitzen wie Menschen, da sie kaum Schweißdrüsen, nur wenige an den Pfoten und am Kinn haben. Hunde haben zwar auch wenige Schweißdrüsen, haben jedoch die natürliche Verhaltensweise, sich durch Hecheln abzukühlen – eine Katze hechelt in der Regel nur, wenn sie krank ist, und sollte dann am besten zum Tierarzt.

Katzenwäsche beruhigt nervöse Samtpfoten

Wenn sie sich selbst putzen, ist das für die Fellnasen außerdem wie eine Wellnessbehandlung. Die Katzenwäsche entspannt und beruhigt die Stubentiger und baut Stress ab. Überdies verteilt die Miez dabei ihren eigenen Geruch auf ihrem Fell, der ihr vertraut ist und ihr daher ein Gefühl von Geborgenheit gibt. Manchmal lässt sich beobachten, wie sich eine Katze von einer Sekunde auf die nächste plötzlich putzt – dabei handelt es sich um eine sogenannte Übersprungshandlung.

Dies geschieht meist, wenn sich die Samtpfote in einer Konfliktsituation befindet, etwa, weil sie einem fremden Artgenossen begegnet und diesem nicht ausweichen kann. Dann weiß sie nicht, ob sie angreifen oder fliehen soll, und putzt sich stattdessen. So beruhigt sie sich einerseits, andererseits erlaubt ihr die Handlung, Zeit zu schinden, bis sich die Konfliktsituation in Wohlgefallen aufgelöst hat. Nicht zuletzt dient das gegenseitige Putzen bei Katzen außerdem der sozialen Bindung.

Warum Hunde sich nicht selbst putzen: Mögliche Gründe

Doch warum sind Hunde so anders als Katzen, wenn es um ihre eigene Körperhygiene geht? Ein Grund ist sicher, dass sie nicht so flexibel sind wie Samtpfoten und deshalb nicht überall mit ihrer Zunge hinkommen. Außerdem ist die Hundezunge anders strukturiert als die Katzenzunge und "bürstet" das Hundefell nicht so gut durch. Des Weiteren sind Hunde durch ihre lange Geschichte der Domestizierung und ihre Zucht enger an den Menschen gebunden und daher weniger darauf angewiesen, ihre Fellpflege ganz alleine zu übernehmen.

Jagdgewohnheiten sind verschieden

Hinzu kommt das unterschiedliche Jagdverhalten von Hund und Katze. Die Samtpfoten lauern ihrer Beute auf, pirschen sich langsam an sie heran und starten dann einen Überraschungsangriff, indem sie plötzlich auf ihre Beute draufspringen und diese mit den Pfoten festhalten. Damit die Beutetiere die Katze nicht vorschnell bemerken, ist Tarnung für sie wichtig, daher darf sie nicht zu intensiv duften, von ihrem feinen Eigengeruch abgesehen. Katzen sind zudem nicht nur Raubtiere, sondern selbst auch Beutetiere, und ein zu starker Geruch könnte ihren natürlichen Feinden verraten, wo sie sich befinden.

Hunde jagen im Gegensatz zu den Stubentigern nicht alleine, sondern oft im Rudel – gemeinsam sind sie stark. Außerdem sind sie ursprünglich gute und schnelle Ausdauerläufer. Sie lauern ihrer Beute nicht auf und pirschen sich unauffällig heran, sondern hetzen ihr hinterher, bis sie sie eingeholt haben oder das Beutetier so erschöpft ist, dass der Vierbeiner es mühelos fangen kann. Hunde sind also nicht darauf angewiesen, möglichst geruchsneutral zu sein. Hinzu kommt, dass die Vierbeiner Gerüche, die auf unsere Menschennasen sehr streng bis unangenehm wirken, nicht als Gestank wahrnehmen. Sie kommunizieren viel über Gerüche und können ganze Geschichten daraus lesen. Das heißt, dass Hunde einfach auch gern etwas intensiver riechen.

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