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Frettchen als Haustier: Wichtige Infos vor der Anschaffung

Wer ein Frettchen als Haustier halten möchte, sollte diese Entscheidung nicht übereilt treffen. Die niedlichen Mardertiere brauchen unbedingt Artgenossen, ausreichend Platz und Spielmöglichkeiten sowie genug Auslauf. Hier findet ihr ein paar wichtige Hinweise, die ihr vor der Anschaffung beachten solltet.
Frettchen fühlen sich mit einem Frettchenkumpel am wohlsten – Shutterstock / Couperfield
Frettchen fühlen sich mit einem Frettchenkumpel am wohlsten – Shutterstock / Couperfield

Ein Frettchen als Haustier zu halten ist eine Bereicherung, aber nur, wenn der zahme Cousin vom Iltis sich in eurer Wohnung wohlfühlt. Mit den folgenden Tipps gewinnt ihr einen Eindruck darüber, ob die Tierchen für euch geeignet sind.

Darf man Frettchen überhaupt als Haustier halten?

Grundsätzlich ist es überall in Deutschland erlaubt, Frettchen als Haustier zu halten. Die Frage lautet in diesem Fall also nicht “wo ist es verboten?”, sondern: “erlaubt mein Vermieter, dass ich Frettchen halte?”. 

Hierbei gilt es eine Besonderheit zu beachten, denn: Frettchen gelten als Kleintiere und können somit nicht pauschal verboten werden – auch wenn der Mietvertrag eine Haustierhaltung eigentlich ausschließt. Beschweren sich allerdings die Nachbarn, zum Beispiel, weil sie sich durch den Geruch oder möglichen Krach der Mardertiere gestört fühlen, kann euer Vermieter euch die Tierhaltung aber durchaus verbieten. In jedem Fall ist es besser, vorab das Gespräch zu suchen. So vermeidet ihr späteren Ärger.

Intensiver Geruch: Frettchen-Halter sollten keine empfindliche Nase haben

Apropos Geruch: Noch bevor ihr euch weitreichendere Gedanken darüber macht, ein Frettchen als Haustier anzuschaffen, solltet ihr euren Geruchssinn kritisch prüfen: Reagiert ihr empfindlich auf strenge Gerüche? Dann ist ein Frettchen vielleicht nicht der beste Mitbewohner für euch. Denn: Die Mardertiere haben einen intensiven Eigengeruch.

Verantwortlich hierfür ist das Analdrüsensekret, das Frettchen absondern – vor allem dann, wenn sie Stresssituationen ausgesetzt sind. Baden hilft hier übrigens nicht, im Gegenteil: Es bedeutet zusätzlichen Stress für die Tiere, sie sondern nur umso mehr Sekret ab.

Besonders “stinken” männliche Frettchen während der Ranz, der Paarungszeit der Mardertiere, die meist von Februar/März bis in den Oktober hinein andauert. Eine Kastration kann den intensiven Geruch der Tiere ein wenig reduzieren, ändert an der grundsätzlich strengen “Duftnote” der kleinen Fellschnuten aber nicht viel.

Frettchen für Kinder: Passt das?

Frettchen sind für Kinder nur sehr bedingt als Haustier geeignet. Frühestens ab 10 Jahren sind Kinder reif genug, um (Mit-)Verantwortung für die Mardertiere zu übernehmen. Kleinere Kinder sollten niemals mit Frettchen allein gelassen werden: Der Duft von Babycreme und Co. zieht die kleinen Wuseltiere geradezu magisch an, Kleinkinder wiederum sind in ihren Bewegungen noch zu unkoordiniert. Beides kann zur Folge haben, dass Frettchen zubeißen, was dann sehr schmerzhaft werden kann.

Lebenserwartung: So alt können Frettchen werden

Bei guter Pflege können Frettchen bis zu 10 Jahre alt werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Mardertiere liegt bei fünf bis acht Jahren. Etwa ab einem Alter von vier Jahren zählen Frettchen langsam zu den Senioren, was sich am Aussehen und Verhalten bemerkbar macht: Die Tiere sind nun weniger aktiv, das Fell wird struppiger.

Welchen Charakter haben Frettchen?

Wer sich ein Frettchen als Haustier zulegt, bekommt einen quirligen, pfiffigen und neugierigen kleinen Kobold. Die Marderverwandten sind außerdem sehr gesellig und brauchen unbedingt mindestens einen Artgenossen als Spielgefährten. In größeren Gruppen fühlen sie sich meist noch wohler. 

Frettchen erkunden gern ihre Umgebung und sind dabei nicht gerade zimperlich. Die entdeckungsfreudigen Tiere wuseln bei ihren Touren überall herum – da gehen schnell Blumentöpfe und Vasen kaputt, Kabel werden angebissen oder Bücher aus den Regalen geräumt. Außerdem sind die frechen Kobolde sehr verspielt und brauchen ausreichend Beschäftigung. Sie lassen sich ein wenig erziehen, sind jedoch insgesamt recht eigensinnig. 

Trotzdem ist es möglich, Frettchen stubenrein zu bekommen. In der Regel werden sie als Haustier bei artgerechter Haltung recht schnell zutraulich und sind dann auch sehr verschmust und kuschelbedürftig. Viele lassen sich außerdem ans Laufen an der Leine gewöhnen.

Haltung: Wie viel Platz und Zeit braucht ein Frettchen als Haustier?

Frettchen lassen sich gut in der Wohnung halten, vorausgesetzt, diese ist sicher eingerichtet und die Tierchen haben ein schönes großes Gehege beziehungsweise Käfig. Die Grundfläche des Käfigs sollte mindestens etwa 120 x 60 Zentimeter pro Tier betragen, mehrere Etagen kommen dem Klettertrieb entgegen. Im Handel finden sich selten geeignete Käfige, ein Eigenbau ist meist das Beste.

Noch toller ist es für die Frettchen, wenn sie in der Wohnung ein eigenes Zimmer für sich haben, das entsprechend eingerichtet ist – zum Beispiel mit einem Katzenkratzbaum zum Klettern. Ein Gehege im Garten oder auf dem Balkon ist ebenfalls eine Möglichkeit, doch dieses ausbruchsicher und frettchentauglich einzurichten, gestaltet sich schwieriger als beim Innengehege, da die Tiere echte Ausbruchskünstler sind.

Bis zu 18 Stunden täglich schlafen Frettchen und können sich dabei dem Tagesrhythmus ihrer Menschen anpassen. Das heißt, es ist normalerweise kein Problem, trotz Vollzeitjob ein Frettchen als Haustier zu halten, sofern ihr euch ausgiebig mit ihnen beschäftigt, wenn ihr zu Hause seid. 

Vier bis sechs Stunden Auslauf in der Wohnung brauchen Frettchen täglich, dann können sie auch die restliche Zeit in ihrem Gehege ruhen, fressen und spielen. Ein weiterer Hinweis: Nicht jeder Tierarzt kennt sich mit den Mardertieren und ihren Besonderheiten aus. Erkundigt euch bei den Tierärzten in der Umgebung, ob ein Frettchenexperte dabei ist, damit es später keine Probleme gibt.

Weitere Grundausstattung für Frettchen als Haustier

Neben einem Fressnapf benötigen Frettchen einen Wassernapf und ein kleines Häuschen oder eine Höhle pro Tier bei der Futterstelle – die zahmen Iltis-Cousins fressen gern in Ruhe und Geborgenheit. 

Auch sonst brauchen sie viele Verstecke, Ruheplätze und Klettermöglichkeiten für ihr Gehege: Tunnel, Hängematten, Höhlen, alte Kleidung, ausrangierte Handtücher und Stoffreste sorgen für Behaglichkeit. Spielzeug, das eigentlich für Katzen gedacht ist, lässt sich prima zum Bespaßen der Frettchen verwenden.

Als "stilles Örtchen" könnt ihr eine Katzentoilette ohne Abdeckung nutzen und diese mit Katzenstreu füllen. Die buddelfreudigen Gesellen freuen sich außerdem zusätzlich über eine Kiste mit Sand oder Erde und Laub zum Spielen. Bedenkt, dass ihr die gesamte Wohnung frettchentauglich vorbereiten müsst. Das bedeutet, dass sämtliche Kabel und Steckdosen gesichert, die Regale mit Büchern und anderen Sachen am besten verschließbar sein müssen. Außerdem darf nichts herumliegen, was den Tierchen gefährlich werden könnte. 

Frettchen verstecken sich außerdem gern in Ritzen und Schlitzen, passt also gut auf, wenn ihr euch aufs Sofa setzt, die Waschmaschine oder den Trockner anstellt. Zählt lieber vorm Anschalten nach, ob alle eure Frettchen in Sicherheit sind.

Ernährung: Was fressen Frettchen?

Sie sehen zwar niedlich aus, doch Frettchen sind wie Hunde und Katzen Raubtiere und Fleischfresser. Dennoch haben sie eigene Ansprüche an ihr Futter, die sich von der Hundeernährung und Katzenernährung unterscheiden. Barfen, also Rohfleischfütterung, eignet sich aber auch für Frettchen. Erkundigt euch vor der Anschaffung unbedingt beim Züchter oder bei der Frettchenhilfe danach, worauf ihr bei der Nährstoffzusammensetzung achten müsst. Abgesehen davon gibt es für die Mardertiere spezielles Trockenfutter und Nassfutter.

Frettchen kaufen: Haltungskosten im Überblick

Ihr wisst nun, welche Rahmenbedingungen Frettchen als Haustiere brauchen. Doch wie sieht es mit den Kosten aus? Grundsätzlich kommen hier verschiedene Faktoren zum Tragen, zum Beispiel, ob ihr euch für ein Frettchen vom Züchter oder aus dem Tierheim entscheidet. Auch mögliche Erkrankungen und damit verbundene Tierarztbehandlungen können die Kosten in die Höhe treiben. Grob könnt ihr mit den folgenden Posten rechnen:

  • Anschaffung: zwischen ca. 100 und 250 Euro pro Tier
  • Käfig und Gehege: je ab etwa 100 Euro
  • Erstausstattung: etwa 150 Euro
  • Futter: rund 40 Euro im Monat für zwei Frettchen
  • Tierarzt (einmalig, pro Tier): zwischen etwa 60 und 150 Euro für die Kastration, ca. 30 Euro fürs Chippen
  • Tierarzt (mehrmals): Kosten für Impfungen, Kontrolluntersuchungen und die Behandlung von Verletzungen oder Krankheiten

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