Verhalten

Hamster-Kannibalismus: Mögliche Ursachen

Wer Hamster hält, hat womöglich schon einmal beobachtet, wie ein verstorbenes Tier von seinen Artgenossen oder der Nachwuchs von der Hamstermutter aufgefressen wird. Kannibalismus unter Hamstern kann sowohl natürliche Ursachen haben als auch durch schlechte Haltung geschehen. Hier erfahren Sie, was hinter diesem scheinbar grausamen Verhalten steckt.
Hamster sollten nicht unterschätzt werden – schlechte Haltungsbedingungen sind ein möglicher Grund für Kannibalismus – Shutterstock / stock_shot
Hamster sollten nicht unterschätzt werden – schlechte Haltungsbedingungen sind ein möglicher Grund für Kannibalismus – Shutterstock / stock_shot

Eine Sache vorweg: Wenn Hamster Kannibalismus zeigen, sollten Sie das nicht moralisch werten. Tiere, die ihre Artgenossen fressen, tun dies nicht aus Bosheit oder Sadismus. Doch welche Gründe kann dieses für Menschen schockierende Verhalten dann haben?

Natürliche Ursachen für Kannibalismus unter Hamstern

Auch in der freien Natur kann es zu Kannibalismus unter Hamstern kommen, vor allem dann, wenn zu viele Tiere sich einen zu kleinen Lebensraum teilen müssen. Dieses Phänomen nennt sich "crowding" und kommt aus dem englischen Begriff "crowd" für Menge. Hamster stehen dabei unter großem Stress und es kann zu Kämpfen unter Artgenossen kommen, die für einen der Rivalen gelegentlich tödlich enden. Es kommt jedoch bei einer solchen Überbevölkerung auch aus anderen Gründen zu Todesfällen.

Die verstorbenen Hamster können jedoch nicht einfach im Bau liegenbleiben, da bei der Verwesung diverse Krankheitserreger freigesetzt werden, die die überlebenden Tiere infizieren können. Zudem sind die Nager auf Diskretion angewiesen, um zu überleben, denn sie haben viele Fressfeinde. Wittern diese den Geruch des Tierkadavers, kommen sie dem Hamsterbau auf die Spur – und das ist für die gesamte Gruppe fatal.

Wenn eine Hamstermutter ihre Jungen auffrisst, hat das ähnliche Gründe. So kommt es zum Beispiel zu Kannibalismus, wenn ein Hamsterweibchen noch sehr jung ist – unter drei Monate alt – und noch keine Erfahrung mit Nachwuchs hat. Zudem sind so junge Hamster noch nicht vollständig entwickelt, sodass sie die Babys nicht richtig versorgen können. In ihrer Not fressen sie die Kleinen dann auf. Hinzu kommt, dass der Proteinbedarf werdender Hamstermütter insbesondere in diesem jungen Alter sehr hoch ist und sie sich nicht anders zu helfen wissen, als ihren eigenen Nachwuchs zu fressen. Auch, wenn die Babys tot geboren werden oder zu schwach sind, um zu überleben, kann es zu Kannibalismus kommen.

Hamster-Kannibalismus durch falsche Haltung?

Die Umstände, die im natürlichen Lebensraum der Hamster zu Kannibalismus führen, können auch durch falsche Haltung erzeugt werden. So ist es zum Beispiel nicht zu empfehlen, Hamstergruppen in einem zu kleinen Gehege zu halten. Ohnehin sind Hamster normalerweise Einzelgänger – vor allem die größeren Rassen wie Goldhamster oder Teddyhamster – und bevorzugen einen Käfig für sich alleine. Manche Zwerghamster können auch als Paar gehalten werden, aber anders als Meerschweinchen und Kaninchen sind die kleinen Nager keine Rudeltiere. Sprich, das "crowding" in Käfighaltung kann bereits bei einer Gruppe von drei Tieren entstehen.

Darüber hinaus produzieren Hamster bei Überbevölkerung keine Duftstoffe mehr über ihre Sternaldrüse. So kann eine Hamstermutter ihre Babys nicht mehr mit ihrem Duft kennzeichnen und erkennt sie nicht mehr als die eigenen. In der Folge kommt es zu Kannibalismus. Lebensgefährlicher Stress entsteht auch dann, wenn Hamsterweibchen zu häufig und zu schnell hintereinander Junge bekommen. Schwierig wird es auch, wenn das Männchen nach der Paarung nicht gleich wieder in sein eigenes Gehege kommt. Es kommt dann zu Streit zwischen den Tieren, was die werdende Hamstermutter stark verunsichert. Überhaupt müssen Sie gut auf Ihre Hamstermama aufpassen und sie die ersten vier Wochen nicht stören. Wechseln Sie die Streu nur in der Toilettenecke und lassen Sie das Nest so wie es ist.

Vermeiden Sie es des Weiteren, Ihre Hamster auf Gitterboden zu halten – ihre Füße können die Stäbe nicht richtig umgreifen, sodass es für die Nager unmöglich wird, sich auf dem Gitter sicher fortzubewegen. Dies erzeugt ebenfalls Stress und Unsicherheit, die im Extremfall in Kannibalismus oder Selbstverstümmelung münden. Doch auch sonst ist dies keine artgerechte Hamsterhaltung, sondern Tierquälerei.

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