Katzengesundheit

Katzenernährung unter die Lupe genommen: Ist drin, was draufsteht?

Gutes Katzenfutter ist gut für die Katze. Aber wie findet man es und worau muss man achten? Das erklären wir.
Gutes Futter für die Katze zu finden, ist nicht leicht. Wir helfen dabei.
Unsplash, Laura Chouette, YpoczNsZYts

Wer im Supermarkt oder im Onlineshop vor dem Regal mit Katzenfutter steht, sieht sich einer schier unüberschaubaren Auswahl gegenüber. Unter bunten Verpackungen versprechen Marken „hochwertige Zutaten“, „natürliche Rezepturen“ oder „tierärztlich empfohlen“. Was allgemeine und spezielle Aussagen wirklich wert sind und wie gut ein Produkt zur Ernährung einer Katze passt, weiß nur, wer die Deklarationsregeln und Inhaltsstoffe etwas genauer kennt. Wir erklären, worauf es bei der Zutatenliste ankommt, was analytische Bestandteile über ein Produkt verraten und wo die Unterschiede zwischen günstigen und teuren Produkten liegen.

So muss Katzenfutter in der EU deklariert werden


Die Kennzeichnungspflichten für Heimtiernahrung sind in der EU durch die Verordnung (EG) Nr. 767/2009 geregelt. Auf jeder Verpackung muss der Hersteller vermerken,
um welches Futter es sich handelt. Ist es ein Alleinfutter- oder Ergänzungsfuttermittel. Weiterhin gehören das Inhaltsverzeichnis in absteigender Reihenfolge nach Gewicht, die analytischen Bestandteile mit den Werten für Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Wassergehalt, die empfohlenen Fütterungsmengen sowie Name und Anschrift des Herstellers auf die Verpackung. 

Was viele Katzenbesitzer nicht wissen: Für die Deklaration von Heimtiernahrung sind innerhalb der EU zwei Formen zulässig.
Bei der offenen Deklaration sind alle Zutaten einzeln mit Menge aufgeführt, zum Beispiel „Hühnerbrust 30 %, Leber 15 %“. Die geschlossene, auch kategoriale Deklaration fasst Zutaten in Sammelbezeichnungen zusammen, zum Beispiel „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“.

Das ist völlig legal, gibt aber kaum Aufschluss über die tatsächliche Zusammensetzung und erschwert einen sachlichen Produktvergleich ungemein.

Wer die Produkte nebeneinander aufreiht, stellt schnell fest, dass sich nicht nur die Preise, sondern auch die Zusammensetzungen erheblich unterscheiden. Ein strukturierter Preisvergleich für Tierfutter  hilft Ihnen, diese Unterschiede auf einen Blick zu erkennen und vergleichbare Produkte sachlich zu beurteilen.

Rohprotein und seine Herkunft

Katzen sind obligate Fleischfresser. Ihr Stoffwechsel ist auf die Verwertung von tierischen Proteinen eingestellt, da sie die Aminosäuren Taurin, Arginin und Methionin nicht selbst herstellen können. Taurinmangel führt nachweislich zu dilatativer Kardiomyopathie und Netzhautdegeneration. Ein hoher Rohproteinanteil ist jedoch noch kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, woher das Protein stammt: Aus Muskelfleisch oder aus schwer verwertbaren Nebenerzeugnissen wie Federn, Hufen oder Bindegewebe?

Rohasche als Qualitätsindikator


Der Rohaschegehalt gibt an, wie viel Mineralstoffe in dem Futter enthalten sind. Werte unter 8 % sind bei Nassfutter akzeptabel. Höhere Werte deuten meist auf einen hohen Knochenanteil hin, was nicht unbedingt schädlich ist, aber die Verdaulichkeit beeinflussen kann. Feuchtigkeit und Nährstoffdichte
Nassfutter hat einen Wassergehalt von 70 bis 85 % und kommt damit der natürlichen Aufnahme von Flüssigkeit bei Katzen am nächsten. Katzen haben von Natur aus eher wenig Durst und nehmen Flüssigkeit lieber mit der Nahrung auf. Trockenfutter hat nur 8 bis 12 % Wasser, hat aber eine viel höhere Nährstoffdichte pro 100 g als Nassfutter. Wer die Nährwerte von beiden Futterarten vergleicht, sollte dies grundsätzlich auf Trockenmassebasis (TM-Basis) tun. Verschiedene Wassergehalte machen jeden Vergleich sonst unmöglich.

Kohlenhydrate: Unsichtbare Walther

Kohlenhydrate müssen auf Heimtierfutter nicht angegeben werden. Sie lassen sich näherungsweise auf folgender Basis berechnen:

100 % minus Rohprotein minus Rohfett minus Rohfaser minus Rohasche minus Feuchtigkeit.

Bei Trockenfutter kommen so leicht 30 bis 50 % Kohlenhydrate zusammen. Ernährungsphysiologisch problematisch ist allein ein chronisch zu hoher Kohlenhydratanteil, weil er das Risiko von Diabetes mellitus Typ 2 bei der Katze erhöht. Das behaupten jedenfalls unter anderem Forschungsstellen an der University of Melbourne.

Viel teurer ist nicht gleich viel besser

Die Vermutung, dass teures Futter automatisch besser ist, lässt sich nicht verallgemeinern. 2022 untersuchten Forscher aus Neuseeland 45 Handelsmarken von Heimtiernahrung. Nicht überraschend fanden sie unter anderem, dass teure Produkte nicht konstant besser abschnitten als günstige. Manche Eigenmarken schnitten bei der Aminosäureuntersuchung besser ab als deutlich teurere Premiumfutter.

Was den Unterschied macht, sind in der Regel folgende Dinge:

  • Die Zutatenqualität: Benannte Zutaten wie „Huhn“ oder „Lachs“ statt Sammelkategorien wie „Geflügel“ oder „Fisch“ sprechen für Klarheit in der Rezeptur und geben dem Käufer die Möglichkeit, sich zu informieren.
  • Die Konservierungsmittel: Produkte ohne synthetische Antioxidantien wie BHA, BHT oder Ethoxyquin und mit natürlichen Alternativen wie z.B. Tocopherolen (Vitamin E) gelten in der Regel als besser verdaulich.
  • Die Zertifizierungsstandards: In Europa gibt FEDIAF (European Pet Food Industry Federation) normgebende Ernährungsrichtlinien für Heimtiere heraus.

Hersteller, die diese Richtlinien einhalten und zu deren Einhaltung Werbung machen, bieten beste Grundlage für Kaufentscheidungen als Produkte, die lediglich mit Werbeslogans „für höchste Qualität“ auf sich aufmerksam machen wollen.

Drei Schritte für den nächsten Einkauf

Bevor Sie ein neues Katzenfutter kaufen, lohnt es sich, drei konkrete Prüfschritte zu machen.

  1. Die Deklarationsform prüfen. Offene Deklaration mit benannten Zutaten ist zu bevorzugen. 
  2. Die analytischen Bestandteile lesen. Bei Nassfutter auf Rohasche unter 8 % und hohen Anteil tierischen Proteins achten. 
  3. Den Kohlenhydratanteil abschätzen. Trockenfutter mit über 35 % Kohlenhydraten kritisch begutachten.
  4. Der Preis ist kein alleiniger Maßstab für Qualität. Ein sachlicher Vergleich mehrerer Produkte auf Trockenmassebasis bringt mehr valide Erkenntnisse als das Vertrauen auf Markenlabel oder Hochglanzversprechungen auf der Packung.

Bildherkunft: unsplash, laura chouette, YpoczNsZYts

 

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