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    Start » Hilfe! Hund jagt alles, was sich bewegt
    Erziehung

    Hilfe! Hund jagt alles, was sich bewegt

    By tieradministrator25. September 2019Updated:6. November 2026Keine Kommentare6 Mins Read

    Wenn Sie Ihrem Hund das Jagen abgewöhnen oder seinen Jagdtrieb in ruhigere Bahnen lenken wollen, müssen Sie Geduld mitbringen. Ihr Hund jagt alles, was sich bewegt, weil es ihm Freude bereitet – das wird er sich so leicht nicht nehmen lassen.

    Sollten Sie an einen Punkt in der Hundeerziehung gelangen, an dem Sie mit Ihrem Latein am Ende sind, suchen Sie sich Hilfe bei einer Hundeschule, die ein sogenanntes Anti-Jagd-Training oder Jagdersatztraining anbietet.

    Warum jagen Hunde überhaupt?

    Der Jagdtrieb liegt Hunden mehr oder weniger im Blut. Auch, wenn sie durch jahrtausendelange Domestizierung gelernt haben, mit Menschen zu kooperieren, bleiben sie dennoch Raubtiere.

    Der wilde Urahn unserer Haushunde, der Wolf, ändert sein Jagdverhalten im Laufe seines Lebens. Als junger Wolf jagt er alles, was sich bewegt, aber als erfahrener und reifer Jäger teilt er sich seine Energie effizienter ein. Das heißt, er jagt nur noch Beute, die sich für ihn lohnt und die er mit möglichst wenig Aufwand erlegen kann. Wölfe ernähren sich ausschließlich von ihren Beutetieren und können es sich nicht leisten, Energie zu vergeuden. Das lernen sie aber erst mit zunehmendem Alter.

    Hunde aber müssen nicht jagen, um zu überleben. Sie verhalten sich daher ähnlich wie junge Wölfe, die zu Übungszwecken und aus Spaß an der Freude alles Mögliche jagen. Sie blenden währenddessen alles andere aus und fokussieren sich nur auf die Beute. Wenn Hunde einer vermeintlichen Beute hinterherhetzen, werden in ihrem Gehirn Glückshormone ausgeschüttet – es handelt sich bei der Jagd also um selbstbelohnendes Verhalten. Das kann, wird es nicht rechtzeitig unterbunden oder begrenzt, auch Suchtcharakter annehmen.

    Wölfe jagen im Rudel und auch Hunde genießen es, gemeinsam ihrem Instinkt zu folgen. In Hundegruppen kann es daher vorkommen, dass sich die Tiere gegenseitig anstacheln. Sobald ein Vierbeiner vom Jagdfieber gepackt wird, laufen die anderen begeistert mit.

    Welche Hunde haben einen besonders starken Jagdtrieb?

    Wie stark der Jagdtrieb ausgeprägt ist, hängt wesentlich von der Hunderasse ab. Das geringste Interesse am Jagen haben Gesellschaftshunde, leicht despektierlich auch als „Schoßhunde“ bezeichnet. Sie lassen sich meistens durch gemeinsame Spiele und Unternehmungen mit ihren Lieblingsmenschen mit Leichtigkeit davon abhalten, vermeintlichen Beutetieren hinterher zu hetzen. Schutz-, Hüte- und Wachhunde sind in der Regel zufrieden damit, wenn sie auf Haus, Hof und Familie aufpassen dürfen oder eine andere für sie sinnvolle Aufgabe haben.

    Weiterhin gibt es Jagdhunderassen. Die Vermutung liegt nahe, dass alle Jagdhunde gern jagen, aber so eindeutig ist es nicht. Denn die Jagd besteht nicht nur aus dem Hetzen der Beute, sondern aus den folgenden Komponenten:

    ● Orten
    ● Fixieren bzw. Vorstehen
    ● Anschleichen
    ● Hetzen
    ● Packen
    ● Töten
    ● Apportieren der Beute

    Übers Apportieren und Co.

    Problematisch sind nur die Verhaltensweisen, die mit Hetzen, Packen und Töten zu tun haben. Es gibt jedoch auch Jagdhunde, die nur fürs Orten, Fixieren und Anschleichen oder nur fürs Apportieren gezüchtet wurden. Der potenziell gefährliche Jagdtrieb ist bei ihnen also nicht so stark ausgeprägt. Dazu gehören:

    ● Vorstehhunde (z. B.: Weimaraner, Irish Red Setter, English Pointer)
    ● Schweißhunde (z. B.: Bayerischer Gebirgsschweißhund)
    ● Retriever oder Apportierhunde (z. B.: Golden Retriever, Labrador)

    Auch Spürhunde sind Jagdhunde

    Es gibt auch Jagdhunde, die weitestgehend selbstständig agieren, die Beute aufspüren und aufscheuchen sollen, um sie dem Jäger zuzutreiben. Sie sind zwar nicht fürs Packen und Erlegen der Beute zuständig, aber können einer Spur nur schwer widerstehen und neigen zu Eigensinn. Das betrifft folgende Hunderassen:

    ● Erdhunde oder Bauhunde (z. B.: Terrier, Dackel)
    ● Stöberhunde (z. B.: Cocker Spaniel, Kooikerhondje, English Springer Spaniel)
    ● Bracken (z. B.: Deutsche Bracke, Brandlbracke, Schweizerischer Niederlaufhund)

    Laufhunde bringen ihre Beute aus der Puste

    Am stärksten ausgeprägt ist der Jagdtrieb bei sogenannten Laufhunden. Sie wurden dazu gezüchtet, Wild über weite Strecken zu verfolgen und meist in der Meute zu hetzen, bis es müde wird. Typische Laufhunde sind:

    ● Grand Bleu de Gascogne
    ● Bloodhound
    ● English Foxhound
    ● Otterhund
    ● Beagle-Harrier
    ● Beagle

    Achtung! Auch Mischlinge, die Laufhunde, Bracken, Erdhunde oder Stöberhunde unter ihren Vorfahren haben, können einen ausgeprägten Jagdtrieb aufweisen, der sie dazu animiert, alles zu jagen, was sich bewegt.

    Fehlverhalten abgewöhnen: Hund vom Jagen abhalten

    Den Jagdtrieb an sich können Sie Ihrem Hund nicht abtrainieren. Allerdings ist es möglich, das Jagdverhalten soweit unter Kontrolle zu bringen, dass Ihr Vierbeiner keine Gefahr mehr für sich und andere darstellt. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Ihr Hund Autos, Radfahrer und Jogger jagt. Auch, wenn Ihr Vierbeiner die Haustiere Ihrer Nachbarn hetzt, beispielsweise Katzen, Kaninchen oder Hühner, besteht Handlungsbedarf.

    Ebenfalls problematisch ist es, wenn Ihr Jagdhunderassen Wildtiere verfolgt – etwa Hasen oder Rehe. Zum einen kann das Wild dadurch auf die Straße gehetzt werden, wo Autofahrer und die Tiere selbst zu Schaden kommen können. Zum anderen werden die Tiere im Frühjahr bei der Aufzucht und Pflege ihrer Jungen gestört.

    Was tun? Verbote allein bringen nichts, denn das Jagdverhalten ist instinktiv. Sie können jedoch die anderen instinktiven Verhaltensweisen und Bedürfnisse Ihres Vierbeiners stärken, sodass der Jagdtrieb in den Hintergrund tritt. Das bedeutet:

    ● Impulskontrolle und Frustrationstoleranz trainieren
    ● Grundgehorsam üben mit Obedience Training
    ● Bindung zwischen Mensch und Hund stärken durch gemeinsame Spiele
    ● Aufmerksamkeit des Hundes auf den Halter lenken durch Orientierungstraining
    ● Artgerechte Beschäftigung und Hundesport zur Auslastung

    Dafür brauchen Sie viel Geduld und müssen konsequent bleiben. Nutzen Sie lieber kurze, einfache Trainingseinheiten, die Sie langsam steigern, als Ihren Hund gleich mit einem vollen Trainingsplan zu überfordern. Unterfordern sollten Sie Ihren Gefährten aber auch nicht, schließlich ist Langeweile oft die Ursache für unerwünschtes bis destruktives Hundeverhalten.

    Was hat es mit dem Anti-Jagd-Training in der Hundeschule auf sich?

    Einige Hundeschulen und Hundetrainer bieten ein professionelles Anti-Jagd-Training an, das auch unter der Bezeichnung Jagdersatztraining zu finden ist. Im Prinzip machen Sie und Ihr Hund dabei dasselbe, das Sie auch zu Hause tun können, um den starken Jagdtrieb zu bremsen: Sie bringen Ihrem Hund bei, dass er nicht mehr kopflos allem hinterher jagt, was sich bewegt, sondern sich erstmal an Sie wendet.

    Ziel ist, dass Ihr Vierbeiner alternative Verhaltensweisen entwickelt, die ihm mehr Spaß machen, als das Jagen. Mit professioneller Anleitung und strukturiertem Vorgehen fällt es oftmals leichter, Problemverhalten zu unterbinden.

    Wenn nichts hilft: Hund nur an der Leine nach draußen lassen

    Solange Ihr Hund alles jagt, was sich bewegt, und schwer zu bändigen ist, sollten Sie ihn nur an der Leine nach draußen mitnehmen. Es empfiehlt sich, passionierte Jäger im Haus zu halten und nicht in einem Zwinger im Garten, wo ihm die Nachbarskatze jederzeit vor die Nase laufen kann oder er permanent die Duftspuren von Wildtieren erschnuppert.

    Einige Hunde werden Sie trotz intensivem Anti-Jagd-Training niemals ohne Leine laufen lassen können. Wenn jedoch die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Haustier gut ist und Sie die Leinenführung mit ihm ausreichend geübt haben, wird es Ihrem Hund nicht viel ausmachen.

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